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Gau-Odernheim

Die Gemeinde direkt am Fuße des Petersbergs hat eine bedeutsame Geschichte. Fast 300 Jahre lang besaß sie sogar die Rechte einer Reichsstadt, verwaltete sich dadurch selbst, konnte Steuern einnehmen, Recht sprechen, die Burg- und Festungsanlagen ausbauen und Markt halten. Später war Gau-Odernheim vier Jahrhunderte lang ein kurpfälzisches Amtsstädtchen. Das Stadtschreiberhaus und Teile der früheren Befestigung des Ortes sind beredte Zeugen dieser Zeit.

Das Wappen der Gemeinde erzählt von der Bedeutung des damaligen Odernheims. Die Adlerflügel erinnern an die durch Rudolf von Habsburg verliehenen Stadtrechte, die Gestaltung des Wappens geht auf das Siegel des Ortes in der Zeit als Reichsstadt zurück. Die Silbe “Gau” im Ortsnamen wurde übrigens ergänzt, um das einstige Odernheim vom namensgleichen Ort an der Glan zu unterscheiden.

Heute gehört zu Gau-Odernheim das bis Ende der 1960er Jahre eigenständige Gau-Köngernheim mit seinen knapp 400 Bewohnern. Beide Gemeinde haben eine eigenständige Geschichte, auch wenn die beiden Ortsteile langsam aber sicher zusammenwachsen.

Nach dem regionalen Raumordnungsplan Rheinhessen im Jahr 1977 wurde Gau-Odernheim Kleinzentrum innerhalb der Verbandsgemeinde Alzey-Land. Mit ca. 3800 Einwohnern ist die “Ehemalige Reichsstadt und Marktflecken” der größe Ort dieser Verbandsgemeinde.

Die Infrastruktur konnte in den vergangenen Jahren kontiunuierlich verbessert werden. Traditioneller Weinbau (erstmals 850 erwähnt) und Landwirtschaft sind ebenso vertreten wie Handel und Gewerbe.
Die Erschließung von Baugebieten je nach Bedarf sichert der Gemeinde ein überschaubares Wachstum. Durch den Ausbau der Straßen und der Autobahnen sind die Verkehrswege zu den Ballungsgebieten deutlich verbessert worden und haben die Gemeinde attraktiv gemacht.

Das kulturelle Leben in Gau-Odernheim und im Ortsteil Gau-Köngernheim wird von den zahlreichen aktiven Vereinen in vorbildlicher Weise gestaltet. Die vielfältigen Angebote im Veranstaltungskalender bestätigen dies und verleihen dem örtlichern Geschehen wertvolle Impulse.

(Quelle: -Auszüge- Anke Gersie, Gemeinde Gau-Odernheim)

 

HISTORISCHES

Die Markung von Gau-Odernheim war schon in vorgeschichtlicher Zeit von Menschen besiedelt, wie durch Gräberfunde und Ausgrabungen zahlreicher Wohnstellen aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit bewiesen werden konnte. Einge römische Gräberfunde geben einen Hinweis auf eine größere Siedlung auf diesem Gebiet um die Zeitwende.

Der Ort Odernheim wurde -wie alle Orte, deren Namen auf “-heim” endet, in fränkischer Zeit gegründet. Auch die Burg, von der nur noch das Verlies erhalten ist, soll auf eine Anlage fränkischer Könige zurückgehen. Von ca. 600 bis 1187 gehörte Odernheim zum Herrschaftsbereich der Bischöfe von Metz. Die Gebeine des heiligen Rufus, Bischof von Metz, wurde nach hier überführt und gaben dem Gotteshaus seinen Namen.

Urkundlich erstmals erwähnt wurde “Otternheim” um 850. Von 1187 bis 1282 war Odernheim im Besitz der Herren von Bolanden. Im Jahr 1282 erwarb König Rudolf von Habsburg den Ort Otternheim und erhob diesen am 16.4.1286 zur freien Reichsstadt. Die Bürger des nun Odernheim genannten Ortes errichteten nun eine Mauer mit 16 Türmen und zwei Toren um die Stadt. Das 13. Jahrhundert war eine Zeit des Aufschwungs für die Stadt. Handel und Handwerk blühten, immer mehr Menschen siedelten sich in den Mauern der Stadt an. Ihr Status als Reichsstadt, der die Gemeinde vor allzu großer Einflussnahme des Landadels bewahrte und weitgehende Selbstverwaltung , eigene Gerichtsbarkeit, Abhaltung eines Wochenmarktes und das Recht zur Erhebung von Steuern bedeutete, brachten der Stadt einen verhältnismäßig großen Wohlstand.

Im Jahr 1315 begannen die Könige und Kaiser, ihre Reichsstadt zu verpfänden, um so an Bargeld zu gelangen. Die Pfandherren, erst das Mainzer Erzstift (1315, 1353 ausgelöst), damm 1356 an verschiedene andere Geldgeber  und schließlich 1407 entgültig an die Pfalzgrafen bei Rhein, bedrohten die städtischen Freiheiten (besonders 1482).
Die Bürger versuchten, ihre Rechte zu verteidigen. Dazu brannte die Stadt 1497 bis auf 6 Häuser vollständig ab. Kaum wieder aufgebaut, brach 1553 abermals Feuer aus. Zu der materiellen Not kam der Druck der kurfürstlichen Regierung. All dies führte schließlich zu einem Aufstand 1579, den der Pfalzgraf Ludwig VI. zum Anlass nahm, die städtischen Freiheiten endgültig zu beseitigen.  Odernheim wurde zu einem pfälzischen Amts- und Landstädtchen herabgestuft und blieb es bis zu den politischen Umwälzungen zu Ende des 18. Jahrhunderts.

Der 30-jährige Krieg von 1618-1648 verschonte auch Gau-Odernheim nicht. Erst kamen die spanischen Soldaten, ihen folgten die Schweden, bis diese wieder von den Spaniern abgelöst wurden. Die Burg wurde ebenfalls im Verlaufe dieses Krieges zerstört. 1648 wurden die Burgmannen entlassen und ihre Lehen und Besoldungen entkleidet. Die Nachkriegsjahre waren mit der Rückzahlung der Kriegsschulden belastet, und bevor noch diese getilgt waren, wurde Odernheim erneut in einen Krieg verwickelt. Der Kurfürst von der Pfalz war mit den Oberhirten von Mainz, Trier, Speyer und Straßburg, sowie dem Herzog von Lothringen wegen der sogenannten “Wildfänge” in Streit geraten. Mainzische, lothringische und pfälzische Landsknechte hausten furchtbar in der Stadt.

1689 wurde Odernheim zum dritten Mal zerstört. Im folgenden Jahr lebten nur noch 53 Menschen in ihren Mauern. 1704 waren es wieder 450. Aber auch die großen Kriege des 18. Jahrhunderts bürdeten der Stadt schwere Lasten auf, so der spanische Erbfolgekrieg, der österreichische Erbfolgekrieg und der 7-jährige Krieg. Danach folgten endlich drei Jahrzehn te des Friedens, in denen eine langsame Aufwärtsentwicklung einsetzte, die dann durch die französchen Revolutionskriege erneut unterbrochen wurden. Mit Beginn der Napoleonischen Herrschaft kam Odernheim 1797 unter französische Oberhoheit. Odernheim verlor seine Stadtrechte, die Güter des Adels, der Kirchen und Klöster wurden eingezogen.
1816 kam Rheinhessen und damit auch Odernheim zum Großherzogtum Hessen. Ab 1826 erfolgte der Abbruch der Stadtmauern, ihrer Tore und Türme. Nur wenig ist davon heute noch erkennbar.

Quelle: Harald Strube

Geschichtlicher Überblick

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Otternheim, fränkisches Dorf und königlich-fränkische Domäne mit Burg

600 - 1187

Otternheim im Besitz der Bischöfe von Metz

1187 - 1282

Otternheim im Besitz der Herren von Bolanden

1282

Otternheim wird von Kaiser Rudolf von Habsburg gekauft und in Odernheim umbenannt

1286 - 1579

Odernheim als Reichsstadt

1579 - 1797

Odernheim als Amtsstädtchen und gehört in der kurpfälzischen Zeit zum Oberamt Alzey

1797 - 1816

Odernheim ist französisch und gehört zum Departement Donnersberg

1816 - 1946

Gau-Odernheim als Marktflecken im Großherzogtum Hessen

ab 1946

Gau-Odernheim als Marktflecken und Kleinzentrum in Rheinland-Pfalz

Homepage der Gemeinde Gau-Odernheim