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Sam Peckinpah

21.02.1925 - 28.12.1984

OUTLAW IN HOLLYWOOD

...als er 58-jährig in einem kalifornischen Krankenhaus starb, da hatte er bereits längst resigniert. Nach jahrzehntelangem Kampf um die Autentizität seiner Filme (es gab nur wenige die so ins Kino kamen, wie er sie gemacht hatte), war er der Gewalt, die er in seinen besten Arbeiten denunziert hatte, selbst verfallen.

Sam Peckinpah war immer ein Einzelkämpfer. Er vertraute nur auf sich selbst und seine unbändige Kraft “und das Uretil von Kindern, denn sie kennen weder Gut noch Böse und verlassen sich auf ihren Instinkt”. Whisky und Sarkasmus waren seine ständigen Begleiter. “Wenn ich mich selbst über´s Ohr haue, dann bleibt es in der Familie”.

Er wollte Actionfilme drehen und keine Message-Produkte. Dennoch sagte er, als er in “The Wild Bunch” geballte Energie gegen Willkür und Gewalt setzte: “Amerika verschließt seine Augen vor dem Hunger und der Gewalt - man muß diesem Amerika die Augen öffnen!” Gerade daran versuchte man ihn immer wieder zu hindern.

In seiner chaotischen Lebensweise, die durch wenig Schlaf, einhergehehnd mit exzessivem Tabletten-, Alkohol- und Zigarettenkonsum gekennzeichnet war, ähnelte er zuletzt mehr und mehr den Outlaws seiner Filme und hauste in den letzten Jahren nur noch in Wohnmobilen.

Sam Peckinpah verstarb am 28. Dezember 1984 in Inglewood, Kalifornien.

Meister der Filmmontage

Seinem legendären Ruf als notorischer Querulant und Anhänger brutaler Gewalt hat Sam Peckinpah nicht unwesentlich dem verschwenderischen und innovativen Gebrauch verschiedener Montagetechniken zu verdanken.

Gewaltdarstellungen spielen in vielen Filmen Peckinpahs die zentrale Rolle, oft sind sie die Eckpfeiler der Geschichte. Dabei setzt er bewußt ausgeklügelte Montagetechniken ein, die er in vorher nie dagewesener Weise kombiniert. Zu seinen auffälligsten Stilmerkmalen gehört die Manipulation der Bildgeschwindigkeit , vor allem der virtuosen Zeitlupe. Durch die Kontrastwirkung von normalem Tempo und Zeitlupe werden Einzelheiten, die sonst im unkontrollierten Bilderrausch einer Actionszene untergehen würden, erst für den Zuschauer wahrnehmbar.

Die berühmte Gewaltorgie am Schluss von “The Wild Bunch” kommentiert der Cutter Robert L.Wolfe: “...wir beschlossen, daraus eine Art Ballett aus fallenden Körpern und abgefeuerten Waffen zu machen...”. Dies brachte Peckinpah den Vorwurf der Gewaltverherrlichung ein.

Schnitt (Cut) war für Peckinpah unverzichtbares Instrument der Gestaltung und Strukturierung eines Films. Nach Abschluß der Dreharbeiten begann für Peckinpah erst der Hauptteil seines kreativen Schaffens. Die Montage-Sitzungen im Schneideraum nahmen Monate in Anspruch. Das abgefilmte Material wurde zerstückelt, seziert, sortiert und entsprechend der Filmdramaturgie neu angeordnet, wobei die drei- bis vierstündigen Rohfassungen auf kinogerechte Zeitformate von etwa zwei Stunden zusammen geschnitten wurden. Cutter Lou Lombardo beschreibt Peckinpah so: “Er nimmt nur Teile der Sequenzen heraus, so daß ihre Essenz intakt bleibt.”

Neben der für ihn typischen Zeitlupe arbeitete er mit Parallelmontage und Gegenschnittfolgen, mit Zeitraffer, Wiederholungen und der Montage von Standfotos. Charakteristisch sind auch Sequenzen, die aus extrem vielen, sehr kurzen Einstellungen zusammengesetzt sind. Auf die Spitze getrieben wird dies im Finale von “The Wild Bunch” mit 352 Einstellungen in nur 6 Minuten und 7 Sekunden. Der ganze Film hatte schließlich die ungewöhnlich hohe Zahl von mehr als 3600 Einstellungen, mehr als jeder andere Farbfilm, der je gedreht wurde.

Kaum jemand kennt jedoch Peckinpahs Filme in ihrer ursprünglich vorgesehenen Fassung. Sie wurden verstümmelt und entstellt, gekürzt und aufgrund halbherziger Verleihstrategien der Öffentlichkeit kaum zugänglich gemacht. So gehört es zur ureigenen Tragik seines Schicksals, daß er, wie kaum ein anderer die Möglichkeit von Schnitt nutzte, wie kein anderer unter diesen restriktiven Folgen zu leiden hatte.

So lag Peckinpah im ständigen Clinch mit Studios und Produzenten, was sich in der trubulenten Entstehungsgeschichte vieler seiner Filme wiederspiegelt. Angefangen beim mehrfachen Umschreiben der Drehbücher, über Handgreiflichkeiten am Set und gefeuerte Mitarbeiter, zog sich die Kette der Konflikte bis zu den folgenschweren Gefechten im Schneideraum, denen ganze Sequenzen zum Opfer fielen. Die Tatsache zum Beispiel, daß bei “Pat Garrett jagt Billy the Kid” sechs (!) Cutter im Titelvorspann genannt werden, sagt da alles. Peckinpah verlor im Kampf gegen das an kurzzeigem Profit orientierte System der Filmproduktion Hollywoods, die entscheidenden Schlachten um die Endmontage seiner Filme.

(Quelle: Frank Arnold, Ulrich von Berg: Sam Peckinpah - Ein Outlaw in Hollywood, Ullstein 1987)

FILMOGRAFIE

1961

Gefährten des Todes

The Deadly Companions

1962

Sacramento

Ride the High Country

1965

Sierra Charriba

Major Dundee

1969

The Wild Bunch-Sie kannten kein Gesetz

The Wild Bunch

1970

Abgerechnet wird zum Schluß

The Ballad of Cable Hogue

1971

Wer Gewalt sät

Straw Dogs

1972

Junior Bonnor

Iunior Bonnor

1973

Pat Garret jagt Billy the Kid

Pat Garret & Billy the Kid

1974

Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia

Bring me the Head of Alfredo Garcia

1975

Die Killer-Elite

The Killer-Elite

1977

Steiner - Das Eiserne Kreuz

The Cross of Iron

1978

Convoy

Convoy

1983

Das Ostermann-Wochenende

The Osterman-Weekend

mit William Holden am Set von  “The Wild Bunch”

...der letzte Gang der “Bunch”...

         Ernest Borgnine, William Holden,         Warren Oates, Ben Johnson