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Meister der Filmmontage
Seinem legendären Ruf als notorischer Querulant und Anhänger brutaler Gewalt hat Sam Peckinpah nicht unwesentlich dem verschwenderischen und innovativen Gebrauch
verschiedener Montagetechniken zu verdanken.
Gewaltdarstellungen spielen in vielen Filmen Peckinpahs die zentrale Rolle, oft sind sie die Eckpfeiler der Geschichte. Dabei setzt er bewußt ausgeklügelte
Montagetechniken ein, die er in vorher nie dagewesener Weise kombiniert. Zu seinen auffälligsten Stilmerkmalen gehört die Manipulation der Bildgeschwindigkeit , vor allem der virtuosen Zeitlupe. Durch die
Kontrastwirkung von normalem Tempo und Zeitlupe werden Einzelheiten, die sonst im unkontrollierten Bilderrausch einer Actionszene untergehen würden, erst für den Zuschauer wahrnehmbar.
Die berühmte Gewaltorgie am Schluss von “The Wild Bunch” kommentiert der Cutter Robert L.Wolfe: “...wir beschlossen, daraus eine Art Ballett aus fallenden Körpern
und abgefeuerten Waffen zu machen...”. Dies brachte Peckinpah den Vorwurf der Gewaltverherrlichung ein.
Schnitt (Cut) war für Peckinpah unverzichtbares Instrument der Gestaltung und Strukturierung eines Films. Nach Abschluß der Dreharbeiten begann für Peckinpah erst
der Hauptteil seines kreativen Schaffens. Die Montage-Sitzungen im Schneideraum nahmen Monate in Anspruch. Das abgefilmte Material wurde zerstückelt, seziert, sortiert und entsprechend der Filmdramaturgie neu
angeordnet, wobei die drei- bis vierstündigen Rohfassungen auf kinogerechte Zeitformate von etwa zwei Stunden zusammen geschnitten wurden. Cutter Lou Lombardo beschreibt Peckinpah so: “Er nimmt nur Teile der
Sequenzen heraus, so daß ihre Essenz intakt bleibt.”
Neben der für ihn typischen Zeitlupe arbeitete er mit Parallelmontage und Gegenschnittfolgen, mit Zeitraffer, Wiederholungen und der Montage von Standfotos.
Charakteristisch sind auch Sequenzen, die aus extrem vielen, sehr kurzen Einstellungen zusammengesetzt sind. Auf die Spitze getrieben wird dies im Finale von “The Wild Bunch” mit 352 Einstellungen in nur 6 Minuten
und 7 Sekunden. Der ganze Film hatte schließlich die ungewöhnlich hohe Zahl von mehr als 3600 Einstellungen, mehr als jeder andere Farbfilm, der je gedreht wurde.
Kaum jemand kennt jedoch Peckinpahs Filme in ihrer ursprünglich vorgesehenen Fassung. Sie wurden verstümmelt und entstellt, gekürzt und aufgrund halbherziger
Verleihstrategien der Öffentlichkeit kaum zugänglich gemacht. So gehört es zur ureigenen Tragik seines Schicksals, daß er, wie kaum ein anderer die Möglichkeit von Schnitt nutzte, wie kein anderer unter diesen
restriktiven Folgen zu leiden hatte.
So lag Peckinpah im ständigen Clinch mit Studios und Produzenten, was sich in der trubulenten Entstehungsgeschichte vieler seiner Filme wiederspiegelt. Angefangen
beim mehrfachen Umschreiben der Drehbücher, über Handgreiflichkeiten am Set und gefeuerte Mitarbeiter, zog sich die Kette der Konflikte bis zu den folgenschweren Gefechten im Schneideraum, denen ganze Sequenzen zum
Opfer fielen. Die Tatsache zum Beispiel, daß bei “Pat Garrett jagt Billy the Kid” sechs (!) Cutter im Titelvorspann genannt werden, sagt da alles. Peckinpah verlor im Kampf gegen das an kurzzeigem Profit orientierte
System der Filmproduktion Hollywoods, die entscheidenden Schlachten um die Endmontage seiner Filme.
(Quelle: Frank Arnold, Ulrich von Berg: Sam Peckinpah - Ein Outlaw in Hollywood, Ullstein 1987)
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