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Als Sohn des Filmpioniers Vincenzo Leone und der Filmdiva Francesca Bertini in Rom geboren und innerhalb des italienischen Studiosystems
aufgewachsen, war Leone der Filmberuf geradezu in die Wiege gelegt. Mit 18 begann er im Filmgeschäft zu arbeiten. Er assisitierte zahlreichen bedeutenden Regisseuren, als in denfünziger Jahren amerikanische
Produktionsgesellschaften nach Rom in die “Cinecitta-Studios” kamen, um dort billig an Historienepen zu arbeiten. Sergio Leone nahm so als Mitglied des zweiten Stabes u.a. an den Dreharbeiten zu Mervyn LeRoys QUO
VADIS und Williams Wylers BEN HUR teil. Diese Produktionstätigkeit brachte auch die einheimische Filindustrie in Schwung. Mit der Hercules-Reihe florierte auch in Italien bald die Produktion der “Sandalen-Filme”.
Nach enger Zusammenarbeit mit Sergio Corbucci und Duccio Tessari (die später ebenfalls durch Italo-Western berühmt wurden) debütierte Leoner mit dem Monumentalfilm DER KOLOSS VON RHODOS.
Leone erledigte diese Auftragsarbeit als unoriginelles, langatmiges und kitschig-farbenprächtiges Serienwerk. 1961 assistierte er bei
Robert Aldrichs SODOM UND GOMORRAH. Diesen Film kann mal als Abschluß von Leones Lehrphase betrachten, denn schon 1964 überraschte er mit einem sehr eigentümlich konstruierten Werk, das einen neuen Stil in der
Filmgeschichte etablieren sollte.
Zusammen mit Duccio Tessari schrieb er das Drehbuch zu einem rüden Western. FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR, der bereits alle Versatzstücke des
italienischen Western vorweisen konnte: die staubige mexikanische Grenzstadt, den schweigsamen Fremden, die sadistischen Banditen, eine geschändete Frau, blutige Shoot-Outs und einen bizarren, oft ironischen
Soundtrack. Mit Clint Eastwood in der Hauptrolle wurde der Film zu einem weltweiten Überraschungserfolg und trat als “schmutziger kleiner Bastard” in die Fußspuren des großen, klassischen Western.
Leone lernte aus dem Erfolg und perfektionierte seinen persönlichen Stil. Er legte Wert darauf, möglichst mit denselben Leuten
zusammenzuarbeiten: Kameramann Tonino Delli Colli begleitete ihn bis zu seinem letzen Werk ES WAR EINMAL IN AMERIKA, ebenso Komponist Ennio Morricone.
Das bekannteste und -zumindest in Europa- erfolgreichste Werk des Regisseurs war SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD. Zusammen mit den beiden jungen
Filmemachern Bernardo Bertolucci und Dario Argento entwarf er ein Szenario, das das Western-Genre zuerst bis auf sein mythisches Skelett entkleidete und schließlich dem Regisseur Gelegenheit gab, seinen ironischen,
epischen und rituellen Inszenierungsstil zur Perfektion zu treiben. Leone verfilmte hier einen Entstehungsmythos Amerikas -den Bau der Eisenbahn- mit amerikanischem Geld an amerikanischen Schauplätzen und verließ
damit die engen Grenzen des Italo-Western, dessen Spielwiese Spanien und Italien blieb.
Der kommerzielle Mißerfolg des Films, vor allem in Amerika, war eine große Enttäuschung für den Regisseur, dessen elegischer,
detailverliebter Stil einen “europäischen” Zugang zum amerikanischsten aller Genres suchte.
Unfreiwillig gelang es Leone aber, mit der Quintessenz seines Filmschaffens noch ein letztes Mal zurückzukehren und gleichzeitig seine
Karriere zu beenden. Der epochale Gangsterfilm ES WAR EINMAL IN AMERIKA zeigt die Schattenseite des “amerikanischen Traumes” - die Gangsterkarriere. In kunstvoll verschachtelten Rückblenden erzählt er die Geschichte
zweier Jugendfreunde (Robert de Niro und James Woods), die sich aus Gier und Korruption entfremden und schließlich gegen Ende ihres Lebens noch einmal zusammenstreffen. In nostalgischen Tönen erzählt der Film vom
Ende eines verfehlten Lebens. Weder Moral noch Versöhnlichkeit haben hier ihren Platz.
Noch in den Vorbereitungen zu einem geplanten Kriegsdrama ONCE UPON A TIME IN STALINGRAD, in dem ebenfalls Robert de Niro die Hauptrolle
spielen sollte, starb Leone 1989 überraschend an einem Herzinfarkt.
Quelle: Das Filmarchiv / Reclams Lexikon der Filmregisseure
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