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Robert E. “Bobby” Wise war eine der letzten Legenden des alten Hollywood. In den 40 Jahren setzte er als Cutter bei Orson Welles wichtige Akzente für seine spätere
Karriere. Wise bleibt über die Jahre hinweg als Cutter, Regisseur und Produzent immer Realist. “Wie ich es zeige, so ist es.” - ist einer seiner Lieblingssätze.
In seinem Geburtsort Winchester, Indiana, gibt es drei Kinos und Robert wird Fan von Tom Mix, Buck Jones, Douglas Fairbanks Senior und den Filmen von Cecil B.de Mille.
Als 19jähriger verlässt er seine Heimatstadt und geht nach Kalifornien. In Hollywood ist er Laufbursche, dann Toncutter bei Musicals und schließlich Schnittassistent. Wise ist 24 Jahre alt als ihm William Dieterle
den Schnitt für “Der Glöckner von Notre Dame” anvertraut. Danach kommt es zur ersten Begegnung mit Orson Welles.
Welles ist der Erfinder, der Mann mit den großen Ideen, der weitverzweigte Geschichten zu klaren Szenenfolgen und Dialogen verdichtet, Bildideen entwickelt,
Schauspieler schmiedet. Wise dagegen gehört -wie der Kameramann, der Komponist, zu den phantasiereichen Technikern, die solche Ideen umsetzen. Brilliant der Wochenschau-Zusammenschnitt zu Beginn von “Citizen Kane”:
das hat Tempo und Dynamik.
Nach der ebenso schwierigen wie erfolgreichen Arbeit bei Orson Welles stellt RKO-Produzent Val Lewton den begabten jungen Mann als Regisseur an. Es mangelt dem Studio
an zuverlässigen Handwerkern und Lewton erkennt mit sicherem Blick, dass Wise diesen Anspruch erfüllt. Wise inszeniert 1944 anstelle des Hausregisseurs Jaques Torneur “Rückkehr der Katzenmenschen”, ein Jahr später
den “Leichendieb”. Da ist er in seinem Element: Das schmale Budget erlaubt kaum mehr als drei bis fünf Wochen Drehzeit, vorhandene Kulissen müssen benutzt werden, Ökonomie und Phantasie sind gefordert. Das setzt
Routine voraus.
Auch als Regisseur ist Robert Wise Handwerker, doch allmählich wächst sein eigener Stil heran. Es ist ein Stil zwischen der Forderung des Realisten und dem sehr
persönlichen Hang zum Stilisieren. Von Anfang an zieht Wise den Schwarzweiß-Film vor. Da gibt es größere Tiefenschärfe, mehr Kontrast, Großaufnahmen im Weitwinkel lassen die Szene realistischer erscheinen und mit
grobkörnigem Filmmaterial will er die Oberfläche “aufrauhen” - wie er sagt. “Ich habe immer den Schwarzweiß-Film bevorzugt (...) - für mich ist die Wirklichkeit schwarzweiß.”
“Egal was man zeigt, man muss die Wahrheit kennen.”. Für Robert Wise war Filmemachen ein fortwährender Lenrprozess.
Für die Recherche zu seinen Filmen sah er sich unter anderem im Boxring um, in Umkleidekabinen und Trainingsräumen. Er sah Männer im Überschwung nach dem Sieg, im Tief nach der Niederlage und er ersparte seinem Zuschauer nichts: kühl und sachlich läuft in “Lasst mich leben” die Geschichte einer Frau ab, der wenig Sympathie aber Mitleid gehört, Für Wise war die Recherche, vor allem das Erlebnis einer tatsächlichen Hinrichtung, ein furchtbares Erlebnis.
1967 erhielt Robert Wise für sein Lebenswerk den Irving G.Thalberg Award der Akademie, nachdem er bereits 1962 und 1966 als bester Regisseur ausgezeichnet wurde.
“Fernweh, Wissbegierde und Entdeckerfreude haben ihn als Regisseur ausgezeichnet, seine Filmografie liest sich wie eine Weltkarte des klassischen Erzählkinos,” so der Dokumentarfilmer Lars-Olav Beier. 1998
erhielt Wise vom American Film Institute den Life Achievement Award - die höchste Auszeichnung für das Gesamtwerk eines Filmschaffenden.
Robert Wise verstarb 91jährig an Herzversagen in einem Krankenhaus in Los Angeles.
(Quelle: prisma-online)
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